Im Gespräch mit Prof. Dr. Thorsten Polleit: Geld, Edelmetalle und Vermögensschutz in bewegten Zeiten
Seit Mai 2026 ist Thorsten Polleit, Verwaltungsratsmitglied der Elementum International AG, Schweiz. Die Firma ist auf die Verwahrung von physischen Edelmetallen in Hochsicherheitslagern in der Schweiz spezialisiert. Nachstehend ein Interview, das der Geschäftsführer der Elementum International AG, Stephan Bogner, mit Thorsten Polleit geführt hat.
Stephan Bogner (SB): Herr Polleit, Sie wurden kürzlich in den Verwaltungsrat der Elementum International AG gewählt. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Mandat anzunehmen?
Thorsten Polleit (TP): Ich bin seit vielen Jahren im internationalen Edelmetallmarkt aktiv, und ich verfolge seit je her den Markt und seine Akteure mit großem Interesse, ob nun in den Bereichen Förderung, Herstellung, Handel, Transport oder Verwahrung. Die Entwicklung der Elementum AG ist mir dabei besonders aufgefallen: Eine familiengeführte Firma mit klarer Ausrichtung, betriebswirtschaftlich sehr umsichtig geführt, die ihre Ziele in den letzten Jahren sehr überlegt und professionell umgesetzt hat.
Gerade die Gold- und Silberlagerung in der Schweiz anbieten zu können, ist aus meiner Sicht ein wirklich großer Wettbewerbsvorteil. Und als mein Freund Professor Philipp Bagus, der seit vielen Jahren Verwaltungsratspräsident der Elementum International AG ist, ein Gespräch mit Bojan Pravica arrangierte, und Bojan Pravica mich fragte, ob er mich für den Verwaltungsrat als Mitglied gewinnen kann, habe ich zugesagt. Ja, ich freue mich wirklich sehr darauf, die Elementum International AG mit ihrem ausgezeichneten Team unterstützen zu können.
SB: Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Geldtheorie, Kapitalmärkten und Edelmetallen. Wie hat sich Ihr Blick auf Gold und Silber im Laufe Ihrer Karriere verändert?
TP: Sehr vieles hat sich verändert, aber eben auch nicht alles, wie mir jüngst auf einer Konferenz bewusst wurde. Dort sprach mich nämlich ein Zuhörer an und sagte: «Herr Polleit, ich höre Ihnen seit 25 Jahren zu, und vieles von dem, was sie heute vorgetragen haben, haben sie schon vor einem Vierteljahrhundert gesagt!» Der Herr bezog sich auf meine Empfehlung, zumindest einen Teil des Portfolios in Gold und Silber zu halten, denn die beiden Edelmetalle stellten die ultimativen Zahlungsmittel dar, sie seien so etwas wie eine «Versicherung mit Preissteigerungspotential».
Da wurde mir klar: Ja, in der Tat, es hat sich über die Jahre zwar viel verändert, aber einige Dinge eben doch nicht! Was sich für mich verändert hat: Vermutlich bin ich heute zuversichtlicher als damals, dass der Trend der Edelmetallpreise auch künftig weiter nach oben zeigen wird. Das liegt vermutlich an den Erfahrungen, die ich in meiner Zeit als Ökonom einer führenden internationalen Investment-Bank durch die Krisen-Zyklen hindurch gesammelt habe. Aber auch wohl an einer gewachsenen Kenntnis über die Problematik, die in der internationalen Kredit- und Geldarchitektur steckt, und die sich immer weiter aufbaut.
SB: Welche Bedeutung haben physische Edelmetalle heute für private Anleger in einer zunehmend digitalen Finanzwelt?
Die Digitalisierung ist, wie die Dinge stehen, nicht aufzuhalten, sie wird immer mehr Wirtschafts- und Lebensbereiche erfassen. Damit sind nicht nur positive Effekte verbunden — wie das Absenken von Transaktionskosten, das Beschleunigen von Geschäftsabläufen —, die Abkehr vom Physischen, vom sprichwörtlich Greifbaren birgt auch erhebliche Gefahren. Man denke nur einmal an Stromausfall, Abhängigkeit von teuren IT-Technologien, Datenschutzverletzungen, Hacker-Angriffe und Cyberkriminalität, Bankenzusammenbrüche und anderes mehr.
Gold und Silber in Form von Münzen und Barren tragen all diese Risiken nicht. Ihre Dienstbarkeit hängt auch nicht an den Öffnungszeiten von Banken und Börsen, sie tragen kein Zahlungsausfall- beziehungsweise Kontrahentenrisiko. Allein schon aus diesen Gründen bieten Gold und Silber dem Anleger die Möglichkeit der Risikodiversifikation. Zudem ist zu bedenken: Auch eine zusehends digitale Finanzwelt trägt die gleichen Krisenpotentiale in sich, die auch schon in der Vergangenheit immer wieder zu Finanz- und Wirtschaftskrisen geführt haben. Denn auch die Finanzwelt-Digitalisierung baut auf einem ungedeckten Papiergeldsystem, einem Fiatgeldsystem auf. In solch einem Geldsystem sind Krisen quasi vorprogrammiert.
SB: Viele Menschen sorgen sich um Inflation, Staatsverschuldung und die Stabilität des Finanzsystems. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage aus volkswirtschaftlicher Sicht?
TP: Die Welt hängt sprichwörtlich an einem «Fiatgeldregime», und das wird kein gutes Ende nehmen. Das Fiatgeld ist inflationär, es sorgt für eine ungleiche, eine unsoziale Verteilung von Einkommen und Vermögen (einige wenige werden besonders reich auf Kosten der vielen), es treibt die Volkswirtschaften in die Überschuldung, es lässt den Staat immer größer und mächtiger werden auf Kosten der Freiheiten von Bürgern und Unternehmern. Diese Probleme des Fiatgeldsystem zeigen sich nicht nur in Deutschland, Europa, den Vereinigten Staaten von Amerika, sie zeigen sich überall auf der Welt.
Man kann jedoch nicht sagen, wann die Schuldenpyramide ins Rutschen kommt, wann genau die nächste Krise vor der Tür steht. Die aktuelle Lage lässt sich als so etwas wie eine «Schein-Stabilität», die Ruhe vor dem Sturm interpretieren. Aus meiner Sicht ist und bleibt die Inflation, die Geldentwertung, das größte Problem für den Geldanleger; ein Problem, das sehr wahrscheinlich noch viel größer wird. Denn kommt es zur Krise — beispielsweise weil Staaten zahlungsunfähig werden —, wird es für Regierende und auch viele Regierte als das vergleichsweise kleinste Übel erscheinen, die offenen Rechnungen mit neu geschaffenem Geld zu bezahlen.
SB: Gold hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Rekordstände erreicht. Sehen Sie den langfristigen Aufwärtstrend weiterhin als intakt an?
TP: Ja. Der Verlauf der Gold- und Silberpreise seit Anfang des 21. Jahrhunderts ist durch einen stetigen Aufwärtspfad gekennzeichnet, und dieser Aufwärtspfad wird sich sehr wahrscheinlich fortsetzen. Die Preiszuwächse in den letzten zwei Jahren — der Goldpreis in US-Dollar gerechnet ist um 94 Prozent gestiegen, der Silberpreis um 135 Prozent — waren fulminant, und sie haben die Edelmetallpreise damit gewaltig über die bisherigen Preistrendlinien hinausschießen lassen. Damit sind die Preise für Gold nun gewissermaßen in «unbekanntes Territorium» vorgestoßen.
Seit etwa Ende Januar 2026 hat eine Korrektur eingesetzt, die aber vermutlich bald ihr Ende finden wird. Ich habe dazu in meinem BOOM & BUST REPORT eine Reihe von Analysen angestellt, und mein Ergebnis ist: Die letzten zwei Jahre haben zu einer «Neubewertung» von Gold und Silber relativ zu anderen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Immobilien geführt, eine Neubewertung, die sehr wahrscheinlich auch dauerhaft sein wird. Das schließt zwar eine Korrektur, wie aktuell beobachtbar, nicht aus, macht eine Rückkehr auf den bisherigen Preisaufwärtspfad jedoch sehr wahrscheinlich.
SB: Silber rückt aktuell wieder stärker in den Fokus. Welche Rolle spielt Silber aus Ihrer Sicht im Vergleich zu Gold?
TP: Zunächst drei Beobachtungen: Langfristig gesehen, sagen wir von 1970 bis heute, hat Gold im Durchschnitt höhere Preissteigerungen erzielt als Silber. Das spricht für Gold. Es zeigten sich jedoch immer wieder Phasen, in denen der Silberpreis stärker stieg als der Goldpreis. Folglich gab es auch immer wieder besondere «Gelegenheitsfenster», die es erlaubten, Silber zu kaufen und dadurch entsprechend erhöhte Renditen zu erzielen. Und: Die Gold- und Silberpreise zeigten eine relativ enge Verbindung, der Silberpreis war dabei allerdings deutlich schwankungsanfälliger als der Goldpreis.
Nun zur Antwort auf Ihre Frage: Ich empfehle Investoren meist Gold und Silber, also beide Edelmetalle im Portfolio zu halten, und zwar unter der Rubrik «liquide Mittel». Die Festlegung der Anteile ist dabei situativ: Wer als Geldanleger beispielsweise in Boom-Phasen Gold und Silber kaufen möchte, dem empfehle ich in der Regel einen hohen Goldanteil und einen entsprechend geringeren Silberanteil; in Bust-Phasen gilt genau das Umgekehrte. Sie erkennen damit vielleicht schon: Ich ermutige Anleger, antizyklisch zu handeln, also genau dann einzusteigen, wenn die Preise relativ gesehen niedrig sind, vor allem wenn Gold und Silber aus Sicht vieler Anleger als nicht attraktiv angesehen werden.
SB: Das Gold-Silber-Ratio wird von vielen Investoren beobachtet. Welche Aussagekraft messen Sie diesem Verhältnis bei?
TP: Es handelt sich dabei um ein ganz besonders interessantes Verhältnis, historisch gesehen und auch im aktuellen Marktumfeld. Das Verhältnis zwischen Goldpreis und Silberpreis zeigt seit den frühen 1970er Jahren einen klaren Aufwärtstrend. Und das heißt: Der Goldpreis ist im Durchschnitt stärker gestiegen als der Silberpreis; darauf habe ich bereits hingewiesen. Dabei haben sich jedoch immer wieder starke Schwankungen um den Trendverlauf gezeigt — das Preisverhältnis zwischen Gold und Silber hat sich folglich stark verändert. Wenn man nun annimmt, dass der seit Jahrzehnten beobachtbare, unterliegende Trend auch künftig erhalten bleibt, dann kann man daraus als Anleger Schlussfolgerungen ziehen. Steigt das Preisverhältnis auf, sagen wir, 100, und liegt der Trendwert bei, sagen wir, 70, so deutet das an, dass das Gold teuer ist relativ zu Silber.
Für sich genommen ist das ein Signal für den Anleger, Gold zu verkaufen und für den Erlös Silber zu erwerben. Doch auch ein Wort hier zur Vorsicht: Das Gold-Silberpreis-Verhältnis sollte nicht als alleiniger Indikator für Kauf- und Verkaufsentscheidungen genommen werden. Der Anleger ist vielmehr gut beraten, das Signal des Gold-Silber-Preisverhältnisses abzugleichen mit weiteren Analyseergebnissen (beispielsweise aus dem Zins- und Kreditmärkten, der Liquiditätssituation im Bankensektor, ob dem Edelmetallmarkt eine Boom- oder Bust-Phase bevorsteht etc.). Und wer das Gold-Silberpreisverhältnis verlässlich zu handhaben weiß, der kann ganz erhebliche Gewinne für sein Edelmetallportfolio erzeugen!
SB: Zentralbanken kaufen weltweit große Mengen Gold. Welche Signale sendet diese Entwicklung an private Anleger?
TP: Das wohl wichtigste Signal ist, dass viele nicht-westliche Zentralbanken versuchen, ihre Währungsreserven unabhängiger zu machen von den westlichen Fiatwährungen, also von US-Dollar, Euro, japanischen Yen, Britischen Pfund, Kanadischem Dollar, Schweizer Franken. Denn spätestens durch das Einfrieren der russischen Währungsreserven im Februar 2022 dürfte ihnen klar geworden sein: Die westlichen Währungen, die de facto alle unter der Fuchtel Washingtons stehen, werden nicht nur zusehends inflationiert, sie tragen vor allem auch ein politisches Risiko: Wer nicht nach der Pfeife Washingtons tanzt, der läuft Gefahr, den Zugang zu seinen Ersparnissen zu verlieren.
Ein weiteres Signal, das der private Anleger erhält, lautet: Nicht nur die Dominanz des US-Dollar wird angefochten, die aufsteigenden Volkswirtschaften der Welt wollen auch die Hegemonie des Westens abstreifen. Und es geht dabei «nur» um Macht: Die Staatenlenker der nicht-westlichen Welt (ob nun in China, Russland oder Indien) zeigen kein Interesse daran, den Menschen besseres Geld zu bringen. Jeder trachtet vielmehr danach, die Hoheit über das eigene Fiatgeld zu behalten, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar basierten Zahlungs- und Finanzsystem zu reduzieren.
SB: Welche Risiken sehen Sie derzeit für Sparer und Anleger, die ihr Vermögen ausschließlich in Bankguthaben oder Finanzprodukten halten?
TP: Eine ganz wichtige Frage! Man bedenke nur einmal, dass Private und Firmen in Deutschland derzeit Sicht-, Termin- und Spareinlagen in Höhe von 4,5 Billionen Euro bei Banken halten. Es handelt sich dabei um Fiatgeld-Guthaben, deren Kaufkraft im Zeitablauf schwindet. Denn die Verzinsung, die die Banken auf diese Guthaben zahlen, reicht nicht aus, die Inflation zu kompensieren. Die Anleger erleiden also einen negativen Realzins, der die Kaufkraft ihrer Ersparnisse herabsetzt. Zudem stellen die Banken den Kunden Gebühren in Rechnung. Diese Kosten erhöhen die Verluste für die Sparer. Und: Bankguthaben sind Verbindlichkeiten der Banken gegenüber ihren Kunden.
Der Kunde trägt also ein Kreditausfallrisiko. Zwar gibt es Einlagenversicherungen (etwa Einlagensicherungsfonds deutscher Banken, DSGV der Sparkassen etc.). Aber spätestens im Falle einer wirklich großen Krise, wenn also nicht nur eine oder zwei Banken die Hand heben, sondern eine sehr große Zahl von Banken, stellt sich die Frage, ob ausreichende Mittel vorhanden sind, die Einlagen der Kunden auszuzahlen. Zwar gibt es grundsätzlich keine absolute Sicherheit bei der Geldanlage, beim Investieren. Aber das Ertrags-Risikoprofil bei Bankeinlagen ist doch sehr ungünstig, und Sparer haben gute Gründe, sich nach besseren Alternativen umzusehen.
SB: Warum ist das direkte Eigentum an physischen Edelmetallen aus Ihrer Sicht so wichtig?
TP: Kauft man Gold- und Silber physisch in Form von Münzen und Barren, ist man direkter Eigentümer des Edelmetalls. Anders stehen die Dinge bei Gold- und Silber-Finanzprodukten. Nehmen wir das bekannte Xetra-Gold. Es handelt sich um eine Inhaberschuldverschreibung des Emittenten, der Deutsche Börse Commodities GmbH: Das Xetra-Gold-Schuldpapier verbrieft einen Lieferanspruch auf eine bestimmte Menge physisches Gold. Das physische Gold gehört dabei jedoch dem Emittenten, der Eigentümer eines Xetra-Gold-Anteils ist «nur« Gläubiger des Emittenten, kein Miteigentümer des Goldes. Auch beim Kauf eines US-Gold-ETF (z. B. GLD oder IAU) ist man kein direkter Eigentümer des physischen Goldes. Bei ihnen handelt sich um einen Trust. Der Investor erwirbt hier eine anteilige, ungeteilte wirtschaftliche Beteiligung an einem Trust.
Der Trust selbst ist Eigentümer des physischen Goldes. In Deutschland und der EU kann der Anleger übrigens keine echten Gold-ETFs kaufen, die UCITS-Regeln verbieten Einzel-Rohstoff-Investments. Man erkennt: Es macht einen Unterschied, ob man Eigentum an physischen Münzen oder Barren erwirbt, oder ob man sein Geld in ETCs oder ETFs steckt. Es hängt nun davon ab, welche Risiken der Anleger vermeiden will: Fürchtet er beispielsweise Insolvenzrisiken des Emittenten oder Auslieferungsrisiken, ist physisches Gold für ihn die bessere Alternative. Sieht er aber (vorerst) keine derartigen «existenziellen Risiken», und sucht er nach einem kostengünstigen, handelbaren Vehikel, um im Goldmarkt handeln zu können, kann beispielsweise Xetra-Gold durchaus die passende Lösung für ihn sein.
SB: Die Schweiz gilt seit Jahrzehnten als bevorzugter Standort für die Lagerung von Vermögenswerten. Welche Vorteile sehen Sie in einer Lagerung in der Schweiz?
TP: Die wichtigsten Vorteile einer Vermögenslagerung in der Schweiz sind eine Kombination aus langfristiger Stabilität, Rechtssicherheit und einem sehr hohen Vertrauensniveau. Die Schweiz ist ein friedvolles Gemeinwesen, seit über 200 Jahren hat es dort keinen Krieg gegeben, die Schweizer sind konsequent neutral. Direkte Demokratie, föderalistisches System und starke Gewaltenteilung sorgen zudem für eine relativ vorhersehbare Politik. Auch gibt es sehr starke verfassungsrechtliche Garantien für das Privateigentum. Hinzukommt: Die Justiz ist relativ unabhängig, die Rechtsstaatlichkeit ist relativ stark ausgeprägt (regelmäßig ist die Schweizer hier unter den Top 3 weltweit in entsprechenden Ranglisten).
Weiterhin gibt es sehr hohe Hürden für Enteignung oder Zwangsmaßnahmen. Und nicht zuletzt: Die Schweiz gibt nur bei konkreten, gerichtlich begründeten Verdachtsfällen (Steuerbetrug, Geldwäsche, Terrorfinanzierung) Auskunft — nicht automatisch wie in vielen EU-Ländern. Alles zusammengenommen ist die Schweiz außerhalb der EU/EWR eine der attraktivsten Jurisdiktionen weltweit, auch im Vergleich zu Singapur, Dubai, Monaco oder London.
SB: Welche Rolle sollte Gold oder Silber in einem ausgewogenen Vermögensportfolio spielen?
Unterschiedliche Anleger sehen in Gold und Silber sehr Unterschiedliches. Für die einen sind die Edelmetalle eine «Vermögensklasse», sie konkurrieren mit Aktien, Immobilien etc. Für die anderen sind es «Rohstoffe», vergleichen sich also mit Energie, Nahrungsmitteln, Schwermetallen etc. Und wieder andere — und dazu zähle ich mich — sehen im Gold und Silber «Geldarten», die mit US-Dollar, Euro und Co im Wettbewerb stehen. Aus meiner Sicht sind Gold und Silber liquide Bestandteile im Portfolio.
Wer also, sagen wir, 20 Prozent seines Portfolios in liquiden Mitteln halten will, der sollte überlegen, wieviel davon in Gold und Silber und in, sagen wir, US-Dollar, Schweizer Franken zu halten sind. Das Musterportfolio, das ich in gewissen Abständen im BOOM & BUST REPORT zeige, empfiehlt seit etwa zwei Jahren eine Liquiditätsquote von 40 Prozent und Aktien von inflationsresistenten Firmenaktien von 60 Prozent. Der Anteil von Gold und Silber liegt insgesamt bei 35 Prozent des Portfolios.
SB: Was möchten Sie als Verwaltungsratsmitglied bei Elementum International AG in den kommenden Jahren einbringen und mitgestalten?
TP: Zunächst einmal werde ich den Aufgaben und Pflichten eines Verwaltungsrat-Mitglieds einer Schweizer AG, die im Obligationenrecht geregelt sind, nachzukommen haben. Dazu zählen zum Beispiel persönlich wahrzunehmende Kontroll-, Aufsichts- und Beratungstätigkeiten, einschließlich der Teilnahme an turnusmäßigen Sitzungen. Darüber hinaus werde ich natürlich auch die Geschäftsführung wie auch die Mitarbeiter bei Bedarf mit Rat und Tat unterstützen, hinter den Kulissen. Ich blicke all dem mit großem Optimismus entgegen. Die Elementum International AG verfolgt ein, wie ich schon sagte, ausgezeichnetes, kundenorientiertes Geschäftsmodell, das sie mit einem hochprofessionellen Team gezielt und sehr umsichtig umsetzt und weiterentwickelt.
Die Geschäftsführung und ich sind bereits dabei, Ideen und Initiativen zu durchdenken. An dieser Stelle nur so viel: Vor der Firma liegen meiner Ansicht nach gewaltige Marktpotentiale, vor allem auch auf internationaler Ebene. Es gibt viele Anleger rund um die Welt, die künftig sicherlich noch stärker als bisher auf Gold und Silber setzen werden, und die dafür nach Hochsicherheits-Lagerstellen Ausschau halten. Die Elementum International AG ist quasi prädestiniert, diese Nachfrage zu bedienen.
SB: Welche Entwicklungen erwarten Sie für die kommenden 5-10 Jahre an den Finanzmärkten und im globalen Geldsystem?
Die Zukunft des Geldsystems ist nicht einwertig. Es sind vielmehr verschiedene Szenarien denkbar, und alle haben eine Wahrscheinlichkeit größer Null. Hier zwei Extreme: Die Versuche der Staaten, das Fiatgeldsystem vor einem Zusammenbruch zu bewahren, werden auf die Vermehrung der Geldmenge hinauslaufen, werden in hoher Inflation enden, also die Kaufkraft des Geldes und der Ersparnisse zerstören. Darauf würden dann vermutlich staatlich diktierte Preiskontrollen, Beschränkungen des internationalen freien Kapitalverkehrs sowie Umverteilungen und Enteignungen in großem Stil folgen, die die letzten verbliebenen Elemente der Marktwirtschaft abstellen. Oder: Bricht das Fiatgeldsystem tatsächlich zusammen, droht Rezession-Preisdeflation.
Kreditnehmer gehen zuhauf Pleite und Firmen bankrott, es gibt Massenarbeitslosigkeit. Das alles liefe wohl auf etwas sehr Chaotisches hinaus. Es ist aber auch denkbar, dass es zu einer gewissen Mischung aus beidem kommt. Um an dieser Stelle keine Kurzschlusshandlung auszulösen, füge ich an: Produktivitätsschübe, eine Veränderung des wirtschaftspolitischen Kurses kann die Extremszenarien abmildern, und das Ganze kann sich auch zeitlich sehr gestreckt abspielen, so dass es für die Marktbeobachter gar nicht so leicht sein wird zu verstehen, was da wirklich geschieht; und der Auslöser des Ganzen kann auch noch ein paar Jahre auf sich warten lassen. Aber wie bereits gesagt: Dass die Fiatwährungen noch stark entwertet werden, halte ich in jedem Fall für sehr wahrscheinlich.
SB: Wenn Sie unseren Kunden und Lesern zum Abschluss einen Rat für den langfristigen Vermögensschutz geben könnten: Welcher wäre das?
Es wäre mehr als einer, daher in aller Kürze: Vertrauen sie dem Fiatgeld nicht, es verliert seine Kaufkraft, künftig vermutlich noch schneller als in den letzten 25 Jahren. Meiden sie Geldmarktfonds und Staatsanleihen. Sorgen sie für ein gewisses Maß an Diversifikation: Halten sie ihre Konten und Wertpapierdepots nicht nur bei einer Bank, beschaffen sie sich auch Konten und Depots außerhalb von Deutschland. Die Welt ist in Bewegung, viele Zukunftsszenarien sind möglich, setzen sie daher nicht alles auf «Krise», investieren sie auch einen Teil ihres Vermögens in Unternehmensaktien, vorzugsweise in Firmen, die ein inflationsresistentes Geschäftsmodell haben.
Es ist weiterhin ratsam, neben einem Ersparnisbestand auch weiterhin ein laufendes Einkommen zu erzielen, so dass man sozusagen über einen diversifizierten Geldzufluss verfügt, das erhöht ebenfalls die finanzielle Resilienz und Unabhängigkeit in schwierigen Zeiten. Last but not least: Gold und Silber halten. Sie sind die verlässlichen Zahlungsmittel, können durch Inflation und Kreditausfälle nicht entwertet werden. Das ist schon seit Jahrtausenden so, und ich wage zu sagen: Das wird auch künftig so sein.