55 Jahre Danach: Gold Im Aufwind — Hat Das Goldene Zeitalter Begonnen?

Heute vor fast genau 55 Jahren hat die damalige US-Administration die Goldeinlösbarkeit des US-Dollar eigenmächtig beendet: Am 15. August 1971 verkündete US-Präsident Richard Nixon im Abendfernsehen, dass fortan der US-Dollar nicht mehr bei der US-Zentralbank in physisches Gold eintauschbar sei. Dadurch wurde der US-Dollar, die Weltreservewährung, zum ungedeckten Papiergeld, zu Fiatgeld, und mit ihm alle anderen Währungen der Welt auch. Das System von Bretton Woods war damit endgültig perdü, und die Welt erhielt ein Fiatgeldregime unter Führung des US-Dollar.

55 Jahre Danach: Gold Im Aufwind — Hat Das Goldene Zeitalter Begonnen?

Fortan bildete sich der Goldpreis im freien Markt, zumindest formell, und erlebte ein wechselvolles Auf und Ab. Zunächst stieg er stark an, von etwa 40 US-Dollar pro Feinunze im August 1971 (der Marktpreis lag da bereits schon deutlich über dem offiziellen Preis von 35 US-Dollar pro Feinunze) auf 850 USD pro Feinunze am 21. Januar 1980 — vor allem getrieben durch Inflationssorgen der Geldanleger, die dem nunmehr beliebig vermehrbaren Papiergeld nicht trauten. Danach fiel der Goldpreis wieder, und zwar nachdem die US-Zentralbank unter ihrem Vorsitzenden Paul Volker ab Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre begann, die völlig aus dem Ruder gelaufene Inflation zu vermindern. Der Goldpreis ging bis auf etwa 252 USD/oz im August 1999 zurück.  

Doch dann, mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts, begann der große Aufstieg des Goldes — der Goldpreis steigt jetzt seit mehr als einem Vierteljahrhundert, und ein Ende ist nicht abzusehen. Ende Januar 2026 erreichte er seinen bisherigen Höchstwert von knapp 5600 USD/oz, fiel bis Mitte Juli auf knapp unter 4.000 USD/oz zurück, handelt jetzt wieder bei etwa 4.650 USD/oz.  

Wer gedacht hat oder denkt, das Gold sei ein „veraltetes“, überkommenes Metall, hätte als Wertaufbewahrungsmittel ausgedient, der hat sich geirrt, er ist einem großen Irrtum aufgesessen. Der Goldpreis in USD hat sich von Januar 2000 bis August 2026 nominal um den Faktor von etwa 16 erhöht, und das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Steigerung von rund 11 Prozent. Da kommen die meisten Spar- und Investitionsprodukte, die die Banken- und Finanzbranche den Menschen andrehen, nicht mit.   

Warum der Erfolg des Goldes — obwohl es offiziell nicht mehr als Geld dient? Und vor allem: Wie geht es weiter mit dem Gold?  

Machen wir es kurz: Das Gold ist das Grundgeld der Menschheit. Es ist gewissermaßen unter den vorhandenen Alternativen so etwas wie das perfekte Geld — wenn es so etwas überhaupt geben sollte im Bereich des menschlichen Handelns. Das Gold hat alle physischen Eigenschaften, die es zur geeignet(st)en Geldart machen. Vor allem kann es durch die elektronischen Notenpressen der Zentralbanken nicht entwertet werden. Es trägt auch, anders als das Fiatgeldguthaben bei Banken, kein Zahlungsausfall- oder Kontrahentenrisiko. Der Marktwert des Goldes hängt zudem nicht an den Öffnungszeiten der Börsen oder Banken ab, auch nicht von der Stromversorgung, es ist sprichwörtlich ein unterkomplexes Geld in einer überkomplexen Welt. Alle diese Eigenschaften, und auch die Wertschätzung, die die Menschen traditionell dem Gold entgegenbringen, hat der Übergang zum Fiatgeldregime in den frühen 1970er Jahren nicht zerstören können; und auch die von staatlichen Stellen und ihren Günstlingen betriebene Anti-Gold-Propaganda hat das nicht bewirken können.  

Wie es weiter geht mit der Wertschätzung des Goldes? Es spricht viel dafür, dass der Trend des Goldpreises in den nächsten Jahren weiter nach oben zeigt. Warum? Nun, weil das weltweite Fiatgeldregime zusehends in Schieflage gerät, immer mehr Menschen aufwachen und aus dem Fiatgeld sprichwörtlich fliehen werden.  

Die aufgelaufene Überschuldung wird die Zentralbanken früher oder später dazu bewegen, die Staatsschulden zu monetisieren, also die Schuldpapiere aufzukaufen und mit neu geschaffenem Fiatgeld zu bezahlen — wie es schon so oft in der leidvollen Geschichte des Fiatgeldes geschehen ist. Das Ganze bahnt sich ja auch schon an: und zwar indem die Zentralbanken bereits versuchen, die Kapitalmarktzinsen möglichst niedrig zu halten. Etwa indem die Zentralbankräte den Kapitalmarktakteuren hinter den Kulissen zuflüstern, dass sie die Anleihekurse nicht abstürzen lassen. Das allein kann schon für eine gewisse Zeit die Zinsen künstlich niedrig drücken, das betrügerische Fiatgeldregime in Gang halten, vor dem Einsturz bewahren.

Aktuell streben die Kapitalmarktzinsen dennoch in die Höhe, und da ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Zentralbanken wieder Staatsanleihen kaufen, die Geldmenge übermäßig ausweiten, die Inflation erneut anheizen. Wenn die Menschen das erkennen, wenn immer mehr von ihnen aufwachen und ihnen klar wird, was tatsächlich gespielt wird, dann werden sie, wie gesagt, das Fiatgeld loswerden wollen, unter anderem auch verstärkt Gold nachfragen. Und weil dabei absehbar das Angebot zu aktuellen Preisen nicht mit der Nachfrage wird mithalten können, steigt der Goldpreis weiter in die Höhe. Sowohl in US-Dollar, als auch in Euro, japanischen Yen, chinesischen Renminbi, britischen Pfund, Schweizer Franken — eben in allen Fiatwährungen wird sich der Goldpreis verteuern. Oder anders und auch noch treffender gesagt: Die Fiatwährungen werden immer weiter abwerten gegenüber dem Gold. Denn das ist es eigentlich was ein steigender Goldpreis in USD, EUR oder japanischen Yen besagt: Man bekommt immer weniger physisches Gold für 1 USD, 1 Euro oder 1 japanischen Yen (siehe hierzu die nebenstehende Abbildung).  

Es ist vermutlich nicht übertrieben, von einem kommenden „Goldenen Zeitalter“ zu sprechen. Nicht verklärt wie in der Griechischen antiken Mythologie, die das Goldene Zeitalter als Idealzustand betrachtete, als friedliche Urphase der Menschheit vor der Entstehung der Zivilisation; lateinisch auch als aurea aetas bezeichnet. Nein, Goldenes Zeitalter hier ganz funktional gemeint als die nun anstehende Phase, in der die Menschen das Gold verstärkt wieder aufgrund seiner Geldfunktionen nachfragen: erst als Wertaufbewahrungsmittel, dann auch als Tauschmittel, bald vermutlich vor allem auch in Form von auf physischem Gold basierenden digitalisierten Wertaufbewahrungs- und Zahlungssystemen.

Keine Frage: eine solche Entwicklung wird das heutige Fiatgeldregime sprichwörtlich auf den Kopf stellen, einige Währungen werden gewaltig abwerten gegenüber dem Gold, vielleicht überlebt die ein oder andere Fiatwährung den Weg in das Goldene Zeitalter auch nicht. Ist es Zeit, Goldpositionen auf- und auszubauen? Die kurze Antwort lautet: Ja, für langfristig orientierte Anleger, die mit einem Zeithorizont von drei, fünf oder mehr Jahren operieren, empfiehlt es sich, (auch) auf Gold zu setzen als Teil der liquiden Mittel im Portfolio.

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