Die Tragödie des Euro: Wenn das Geld die Ersparnisse gefährdet

Der Euro wurde seinen Bürgern als Garant für Stabilität und Wohlstand verkauft. Er sollte Europa wirtschaftlich verbinden, den Handel erleichtern und eine stabile Währung nach dem Vorbild der Deutschen Mark schaffen. Doch die institutionelle Konstruktion des Euro enthält Fehlanreize, die langfristig genau das Gegenteil bewirken können: Sie gefährdet den Geldwert und damit die Ersparnisse der Bürger.

Die Tragödie des Euro: Wenn das Geld die Ersparnisse gefährdet

Das grundlegende Problem liegt in der besonderen Struktur der Europäischen Währungsunion. In einem Nationalstaat fallen Geld- und Fiskalpolitik zumindest institutionell in einem politischen Raum zusammen. In der Eurozone hingegen existiert eine gemeinsame Geldpolitik, während die Fiskalpolitik weitgehend in der Verantwortung der einzelnen Mitgliedstaaten verbleibt.

Daraus entsteht ein klassisches Problem der Allmende. Man kann sich einen Fischschwarm in internationalen Gewässern vorstellen, auf den verschiedene Fischer freien Zugriff haben. Für jeden einzelnen Fischer besteht der Anreiz, möglichst viele Fische zu fangen. Den Nutzen des zusätzlichen Fangs erhält er selbst, während die Kosten der Überfischung – der schrumpfende Fischbestand – von allen Fischern gemeinsam getragen werden. Gerade weil die Ressource allen zur Verfügung steht, hat jeder Einzelne einen Anreiz, sie möglichst schnell und intensiv auszubeuten.

In der Europäischen Währungsunion besteht ein ähnlicher Mechanismus. Die gemeinsam genutzte Ressource ist hier die Kaufkraft des Euro. Die Regierungen der Mitgliedstaaten können durch Defizite ihre Staatsausgaben erhöhen und sich zusätzliche Ressourcen verschaffen. Von diesen Ausgaben profitieren zunächst vor allem die jeweilige Regierung und die Empfänger der Staatsausgaben im eigenen Land. Ein Teil der Kosten kann jedoch auf die übrigen Nutzer des Euro externalisiert werden.

Dies geschieht insbesondere dann, wenn zusätzliche Staatsverschuldung vom Bankensystem finanziert wird und die Europäische Zentralbank durch ihre Geldpolitik die Finanzierungsbedingungen der Staaten stützt. Die dadurch begünstigte Geldschöpfung und monetäre Expansion können die Kaufkraft des Euro vermindern. Die Kosten der zusätzlichen Staatsausgaben werden damit nicht ausschließlich von den Bürgern des Defizitlandes getragen. Über den gemeinsamen Geldraum werden sie teilweise auf alle Eurohalter verteilt – auch auf jene, die in anderen Mitgliedstaaten leben.

Für eine Regierung entsteht somit ein problematischer Anreiz: Der politische Nutzen zusätzlicher Staatsausgaben konzentriert sich weitgehend im eigenen Land, während ein Teil ihrer monetären Kosten auf Euroausländer abgewälzt werden kann. Ähnlich wie jeder Fischer einen Anreiz hat, noch einen zusätzlichen Fisch zu fangen, hat jede Regierung einen Anreiz, zusätzliche Defizite einzugehen, solange sie erwarten kann, dass ein Teil der daraus resultierenden Kosten von der gesamten Währungsgemeinschaft getragen wird.

Die ausgebeutete Allmenderessource ist somit letztlich die Kaufkraft des gemeinsamen Geldes. Je stärker die einzelnen Staaten versuchen, diese Ressource durch Defizite für ihre eigenen politischen Zwecke zu nutzen, desto größer wird der Druck auf die Stabilität des Eurosystems. Die Tragödie besteht darin, dass ein Verhalten, das aus Sicht einer einzelnen Regierung kurzfristig rational erscheinen mag, in der Summe die gemeinsame Währung schwächt und die Ersparnisse aller Eurohalter gefährdet.

Die Staatsschuldenkrise hat diese Problematik deutlich sichtbar gemacht. Als einzelne Mitgliedstaaten Schwierigkeiten bekamen, ihre Schulden zu finanzieren, standen die europäischen Institutionen vor einem Dilemma. Eine konsequente Anwendung marktwirtschaftlicher Prinzipien hätte bedeutet, dass Gläubiger Verluste tragen und Staaten im Extremfall zahlungsunfähig werden können. Stattdessen setzte sich zunehmend die Auffassung durch, dass die Stabilität des Eurosystems um nahezu jeden Preis erhalten werden müsse.

Damit veränderte sich auch die Rolle der Europäischen Zentralbank. Die EZB entwickelte sich immer stärker zum entscheidenden Stabilisator der Währungsunion. Anleihekäufe, extrem niedrige Zinsen und eine massive Ausweitung der Zentralbankbilanz wurden zu Instrumenten, mit denen nicht nur geldpolitische Ziele verfolgt, sondern indirekt auch die Finanzierungsbedingungen hoch verschuldeter Staaten stabilisiert wurden.

Für den Sparer hat diese Entwicklung erhebliche Konsequenzen.

Geld ist nicht nur ein Tauschmittel. Es ist auch ein Mittel, um Kaufkraft in die Zukunft zu übertragen. Wer spart, verzichtet heute auf Konsum, um morgen konsumieren zu können. Eine stabile Währung schützt diesen intertemporalen Transfer von Kaufkraft. Verliert das Geld hingegen kontinuierlich an Wert, wird der Sparer schleichend enteignet.

Inflation wirkt dabei wie eine kaum sichtbare Steuer. Der nominelle Betrag auf dem Bankkonto bleibt möglicherweise unverändert oder wächst sogar durch Zinsen. Entscheidend ist jedoch nicht die Zahl auf dem Konto, sondern was man dafür kaufen kann. Steigen die Preise schneller als die Verzinsung der Ersparnisse, sinkt deren reale Kaufkraft.

Gerade hier zeigt sich die Tragödie des Euro. Die politische und institutionelle Logik der Währungsunion erzeugt einen permanenten Druck in Richtung einer expansiven Geldpolitik. Hohe Staatsschulden machen steigende Zinsen politisch und fiskalisch kostspielig. Gleichzeitig können wirtschaftliche und finanzielle Krisen immer neue Interventionen der Zentralbank rechtfertigen. Die außergewöhnliche Maßnahme von gestern wird so leicht zum normalen Instrument von morgen.

Für den langfristig denkenden Sparer stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage: Wie kann Vermögen vor den Risiken eines politischen Geldsystems geschützt werden?

Gold und Silber bieten darauf eine historisch bewährte Antwort. Im Gegensatz zum Euro können Edelmetalle nicht durch einen Beschluss einer Zentralbank geschaffen werden. Ihre Menge lässt sich nicht beliebig vermehren, um Staatshaushalte zu stabilisieren oder Finanzmärkte zu stützen. Sie besitzen keinen Emittenten, dessen Zahlungsfähigkeit über ihren Wert entscheidet.

Das bedeutet nicht, dass der Preis von Gold oder Silber nicht schwanken kann. Es bedeutet vielmehr, dass physische Edelmetalle außerhalb des Systems von Kreditversprechen und politisch gesteuerter Geldproduktion stehen. Gerade darin liegt ihre besondere Funktion für den Vermögensschutz.

Die eigentliche Tragödie des Euro besteht deshalb nicht nur in möglichen zukünftigen Währungskrisen. Sie liegt bereits in der schleichenden Veränderung unseres Verständnisses von Geld und Sparen. In einem gesunden Geldsystem wird Sparsamkeit belohnt und bildet die Grundlage für Kapitalbildung und Wohlstand. In einem inflationären Geldsystem wird der Sparer dagegen gezwungen, immer größere Risiken einzugehen, nur um die Kaufkraft seines Vermögens zu erhalten.

Wer langfristig Vermögen bewahren will, sollte daher nicht allein darauf vertrauen, dass politische Institutionen den Wert des Geldes schützen werden. Wahre finanzielle Vorsorge beginnt mit der Erkenntnis, dass Geld selbst ein Risiko sein kann.

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