Robust investieren: Was Thermodynamik über Vermögensaufbau lehrt

Finanzmärkte sind niemals statisch. Kapital bewegt sich, Informationen verändern Erwartungen und vermeintliche Gleichgewichte lösen sich oft schnell wieder auf. Ein bemerkenswerter Beitrag von Dr. Stefan M. Kremeth, CEO & Head of Wealth Management der Incrementum AG, betrachtet dieses Wechselspiel aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Der Thermodynamik.

Robust investieren: Was Thermodynamik über Vermögensaufbau lehrt

Daraus ergibt sich eine Erkenntnis, die gerade für langfristig orientierte Anleger wichtig ist: Entscheidend ist nicht, die Zukunft perfekt vorherzusagen, sondern das eigene Vermögen so aufzustellen, dass es möglichst viele unterschiedliche Zukunftsszenarien überstehen kann.

Finanzmärkte als dynamisches System

Wer Finanzmärkte verstehen möchte, blickt gewöhnlich auf Zinsen, Inflation, Unternehmensgewinne oder Konjunkturzyklen. Dr. Stefan M. Kremeth wählt in seinem Beitrag „Financial Markets as a Dance Against Entropy: Lessons from Thermodynamics and a Philosophical Approach to Investing“ einen anderen Ansatz.

Er beschreibt Finanzmärkte als offene, dynamische Systeme, in denen Informationen, Erwartungen und Kapitalströme fortlaufend aufeinander reagieren. Die Analogie ist einleuchtend: So wie sich in der Natur Energie verteilt und Systeme ständig nach neuen Gleichgewichten suchen, bewegt sich auch Kapital permanent zwischen Anlageklassen, Branchen, Regionen und Währungen.

Ein dauerhaftes Gleichgewicht existiert praktisch nicht. Kaum ist eine neue Information verarbeitet, verändert die nächste bereits wieder das Gesamtbild.

Unsicherheit ist der Normalzustand

In der Thermodynamik beschreibt Entropie vereinfacht die Tendenz zu wachsender Unordnung. Übertragen auf Finanzmärkte bedeutet das: Neue Unternehmenszahlen, Inflationsdaten, politische Entscheidungen oder geopolitische Ereignisse schaffen zunächst Unsicherheit. Marktteilnehmer interpretieren dieselben Informationen unterschiedlich. Daraus entstehen Käufe, Verkäufe und Preisbewegungen.

Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb: Unsicherheit ist kein Ausnahmezustand der Finanzmärkte. Sie ist ihr Normalzustand.

Damit verändert sich auch der Blick auf Volatilität. Schwankende Kurse sind nicht automatisch gleichbedeutend mit dauerhaftem Kapitalverlust. Ein Vermögenswert kann stark fallen und sich später wieder erholen.

Viel gefährlicher sind Ereignisse, die einen Anleger dauerhaft aus dem Spiel nehmen. Kremeth bringt diesen Gedanken mit einem einfachen Prinzip auf den Punkt: Avoid ruin – vermeide den Ruin. Denn wer sein Kapital dauerhaft verliert, kann an späteren Erholungen und langfristigen Renditen nicht mehr teilnehmen.

Robustheit statt Prognose

Damit verschiebt sich die zentrale Frage beim Vermögensaufbau. Es geht nicht mehr nur darum, welche Anlage die höchste Rendite verspricht, sondern vor allem darum, das eigene Vermögen so zu strukturieren, dass einzelne Krisen, Fehlentscheidungen oder unerwartete Entwicklungen keine existenziellen Schäden verursachen.

Eine sehr konzentrierte Strategie kann außergewöhnlich erfolgreich sein, wenn genau das erwartete Szenario eintritt. Sie wird jedoch gleichzeitig anfälliger für Überraschungen.

Diversifikation ist deshalb mehr als bloße Risikostreuung. Sie ist das Eingeständnis, dass niemand mit Sicherheit weiß, welche wirtschaftlichen, politischen oder technologischen Entwicklungen die kommenden Jahrzehnte bestimmen werden.

Erfolgreiches Investieren kann deshalb weniger darin bestehen, die Zukunft besser vorherzusagen als andere, sondern vielmehr darin, weniger abhängig von einer einzelnen Prognose zu sein.

Die Rolle physischer Edelmetalle

Genau an diesem Punkt werden Gold und Silber interessant. Nicht deshalb, weil jemand zuverlässig vorhersagen könnte, wo ihre Preise in 5 oder 10 Jahren stehen werden. Und auch nicht deshalb, weil Edelmetalle andere Anlageklassen ersetzen sollten.

Ihre besondere Rolle ergibt sich vielmehr aus ihren Eigenschaften innerhalb einer diversifizierten Vermögensstruktur.

  • Eine Aktie ist eine Beteiligung an einem Unternehmen.
  • Eine Anleihe ist eine Forderung gegenüber einem Schuldner.
  • Ein Bankguthaben ist eine Forderung gegenüber einer Bank.
  • Physisches Gold und Silber sind dagegen reale Vermögensgegenstände. Sie können damit einen Vermögensbaustein darstellen, dessen Existenz nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Emittenten abhängt.

Eigentum statt Forderung

Bei Elementum steht genau dieser Gedanke im Mittelpunkt. Die Elementum International AG ist ausschließlich auf die Lagerung physischer Edelmetalle in der Schweiz spezialisiert. Kauf und Verkauf erfolgen nicht über Elementum International AG sonder ausschließlich über die jeweiligen nationalen Elementum-Gesellschaften.

Die eingelagerten Edelmetalle bleiben Eigentum der Kunden und gehören nicht zum Unternehmensvermögen der Elementum International AG. Damit unterscheidet sich physische Verwahrung grundlegend von vielen Finanzprodukten, die lediglich einen Anspruch oder eine Forderung verbriefen.

Dieser Unterschied mag in ruhigen Zeiten gering erscheinen. In Stressphasen kann er jedoch entscheidend werden.

Gold und Silber als Teil einer robusten Struktur

Physische Edelmetalle sollten deshalb weniger als kurzfristige Spekulation betrachtet werden. Ihre Funktion kann vielmehr darin liegen, eine bestehende Vermögensstruktur robuster zu machen. Sie ergänzen Aktien, Immobilien, Liquidität oder andere Anlagen um einen Baustein mit anderen Eigenschaften.

Auch innerhalb der Edelmetalle selbst kann Diversifikation eine Rolle spielen. Gold und Silber entwickeln sich nicht immer gleich. Das Gold-Silber-Ratio zeigt, wie stark sich ihre relative Bewertung über längere Zeiträume verändern kann.

Eine flexible Umschichtung zwischen beiden Metallen kann deshalb als Form des Rebalancings verstanden werden. Entsprechende Switch-Möglichkeiten sind auch Bestandteil der Elementum-Anlagestrategie.

Auch der Lagerort zählt

Robustheit endet nicht bei der Auswahl der Anlageklasse. Auch der Ort der Verwahrung kann Teil einer langfristigen Vermögensstrategie sein.

Elementum International AG hat sich bewusst ausschließlich auf die Lagerung von physichen Edelmetallen in der Schweiz spezialisiert. Für Anleger kann dies eine zusätzliche Form geografischer Diversifikation darstellen: Nicht sämtliche Vermögenswerte denselben politischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen auszusetzen.

Auch hier gilt das gleiche Prinzip: Nicht alles von einem einzigen System abhängig machen.

Man muss die Zukunft nicht kennen

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus Kremeths Beitrag. Niemand kennt die Inflationsrate des Jahres 2035. Niemand weiß, welche Unternehmen oder Technologien in 20  Jahren dominieren werden. Niemand kann den Gold- oder Silberpreis der Zukunft verlässlich vorhersagen.

Das muss jedoch nicht notwendig sein. Denn man muss die Zukunft nicht kennen, um sich auf unterschiedliche mögliche Entwicklungen vorzubereiten.

Eine robuste Vermögensstruktur versucht deshalb nicht, jede Marktbewegung vorherzusagen. Sie kombiniert unterschiedliche Vermögenswerte, reduziert Abhängigkeiten und vermeidet Risiken, die zu dauerhaften Verlusten führen können.

Physisches Gold und Silber können dabei einen besonderen Platz einnehmen: Als reale Vermögenswerte, als Ergänzung zu klassischen Immobilien, Finanzanlagen und als Eigentum außerhalb reiner Zahlungsversprechen.

Fazit: Weitertanzen, wenn sich die Musik ändert

Die Thermodynamik liefert natürlich kein Modell, mit dem sich Börsenkurse oder Edelmetallpreise berechnen lassen. Der Wert der Analogie liegt vielmehr darin, Finanzmärkte als das zu betrachten, was sie sind: Komplexe, ständig veränderliche Systeme.

Für Anleger folgt daraus eine einfache, aber wichtige Erkenntnis: Langfristiger Erfolg hängt nicht zwingend davon ab, die Zukunft richtig vorherzusagen. Entscheidend ist vielmehr, die eigene Vermögensstruktur so robust zu gestalten, dass sie auch dann funktioniert, wenn die Zukunft völlig anders verläuft als erwartet.

Diversifikation, physisches Eigentum, geografische Streuung, Rebalancing und der Schutz vor irreversiblen Verlusten sind unterschiedliche Ausdrucksformen dieses Prinzips.

Oder um die Metapher von Stefan Kremeth aufzugreifen: An den Finanzmärkten wird sich die Musik immer wieder ändern. Entscheidend ist weniger, den nächsten Takt vorherzusagen, sondern weiter tanzen zu können, wenn sich plötzlich der Rhythmus ändert.

Lesetipp: Dieser Beitrag wurde inspiriert durch den lesenswerten Artikel von Dr. Stefan M. Kremeth, CEO & Head of Wealth Management der Incrementum AG: „Financial Markets as a Dance Against Entropy: Lessons from Thermodynamics and a Philosophical Approach to Investing“

Zum Originalbeitrag bei Incrementum

Wir bedanken uns bei Dr. Stefan M. Kremeth und Incrementum für diesen inspirierenden Blick auf die Finanzmärkte. Incrementum ist zudem Herausgeber des renommierten „In Gold We Trust“-Reports, bei dem die Elementum International AG bereits seit vielen Jahren als Premiumpartner mitwirkt.

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