Silber, Macht und Lieferketten

Warum Chinas Exportbeschränkungen das globale Silberangebot verändern und weshalb LBMA-Good-Delivery-Silber strategische Substanz bedeutet. 

Silber, Macht und Lieferketten

Seit dem 1. Januar 2026 unterliegt Silber in China neuen Exportbeschränkungen. Was zunächst wie eine technische Handelsregel klingt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein tiefgreifender Einschnitt in einen Markt, der für unsere moderne Welt von zentraler Bedeutung ist. Denn Silber ist heute nicht mehr nur ein Edelmetall für Anleger, sondern ein systemrelevanter Rohstoff, ohne den viele zentrale Bereiche unseres Alltags nicht funktionieren würden: Von Stromerzeugung über Elektronik bis hin zu moderner Medizin.

Die chinesischen Maßnahmen betreffen dabei nicht nur Rohsilber, also unverarbeitetes Material aus Minen, sondern vor allem raffinierte, hochreine und veredelte Silberprodukte. Genau diese Formen werden jedoch von Industrie, Technologieunternehmen und auch von institutionellen Marktteilnehmern benötigt. Entsprechend reichen die Auswirkungen dieser Exportbeschränkungen weit über China hinaus und betreffen den globalen Silbermarkt als Ganzes.

 Autor 

Philipp Bagus

Stephan Bogner
Geschäftsführer Elementum International AG

Silber im 21. Jahrhundert: Vom Edelmetall zum systemrelevanten Rohstoff

Über Jahrtausende hinweg war Silber in erster Linie eines: Geld, Wertspeicher und Vertrauensanker. Silbermünzen dienten als Zahlungsmittel, Silber galt als Symbol für Wohlstand und Stabilität. Diese monetäre Rolle hat Silber bis heute nicht verloren. Doch hinzugekommen ist eine zweite, mindestens ebenso wichtige Dimension.

In der modernen Welt ist Silber ein technologisches Schlüsselmetall. Es besitzt eine außergewöhnlich hohe elektrische Leitfähigkeit, ist chemisch stabil und lässt sich vielseitig einsetzen. Deshalb ist Silber unverzichtbar für Solarzellen, für nahezu jede Form moderner Elektronik, für Elektromobilität, für medizinische Anwendungen und für zahlreiche industrielle Prozesse. Ohne Silber gäbe es keine leistungsfähigen Photovoltaikanlagen, keine zuverlässigen Leiterbahnen in elektronischen Bauteilen und viele moderne medizinische Geräte könnten nicht hergestellt werden.

Darüber hinaus ist Silber auch für sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen unverzichtbar. Es wird unter anderem in Kommunikationssystemen, Radartechnik, Präzisionssensoren, Lenk- und Leitsystemen sowie in bestimmten Waffensystemen eingesetzt, bei denen höchste elektrische Leitfähigkeit, Zuverlässigkeit und Korrosionsbeständigkeit erforderlich sind.

Diese strategische Bedeutung hat inzwischen auch offiziell Anerkennung gefunden. In den USA wird Silber als „strategisches Mineral“ eingestuft, also als Rohstoff, der für die nationale Sicherheit, die industrielle Leistungsfähigkeit und die Verteidigungsfähigkeit des Landes als unverzichtbar gilt. Eine solche Einstufung erhalten nur Materialien, bei denen Versorgungsengpässe direkte wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Folgen hätten.

Damit wird deutlich: Silber ist längst kein „gewöhnliches“ Industriemetall mehr. Es ist ein kritischer Rohstoff, dessen Verfügbarkeit nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geopolitische und militärische Relevanz besitzt.

Kaum ein anderes Metall verbindet also in dieser Form monetäre Geschichte und technologische Zukunft. Genau diese Doppelrolle macht Silber so besonders und zugleich so anfällig für Störungen in der Lieferkette.

Ein fundamentaler Unterschied: Silber ist kein klassischer Primärrohstoff

Ein Punkt, der für viele Menschen zunächst schwer nachvollziehbar ist, aber für das Verständnis des Silbermarktes entscheidend ist: Silber wird in den meisten Fällen gar nicht wegen Silber gefördert. Rund 70% der weltweiten Silbermenge fallen als Beiprodukt beim Abbau anderer Metalle an, insbesondere bei Kupfer, Zink, Blei und Gold.

Das bedeutet ganz konkret: Auch wenn es reine Silberminen gibt, bestimmen sie den Markt nur begrenzt. Der Großteil des Silbers fällt als Nebenprodukt anderer Metalle an. Deshalb hängt das Silberangebot weniger vom Silberpreis selbst ab, sondern von der Fördermenge anderer Metalle und lässt sich nur sehr träge an eine steigende Nachfrage anpassen.

Wenn eine Kupfer- oder Zinkmine mehr oder weniger produziert, fällt automatisch auch mehr oder weniger Silber an – unabhängig davon, wie stark die Nachfrage nach Silber selbst ist. Die Silberförderung lässt sich daher nicht flexibel steuern. Höhere Preise führen nicht automatisch zu einem größeren Angebot. Während die Nachfrage nach Silber, etwa durch den Ausbau erneuerbarer Energien, schnell steigen kann, reagiert das Angebot nur sehr träge.

Genau deshalb spricht man bei Silber von einer strukturellen Knappheit. Diese Knappheit besteht selbst dann, wenn es keine geopolitischen Spannungen gäbe. Politische Eingriffe wie Exportbeschränkungen verschärfen diese Situation zusätzlich.

China als Förderland: Rund 13% des weltweiten Angebots

China spielt im Silbermarkt eine doppelte Rolle. Zum einen ist das Land ein zentraler Akteur in der Weiterverarbeitung, zum anderen aber auch selbst einer der größten Silberproduzenten der Welt. China liegt regelmäßig auf Platz 2 oder 3 der globalen Silberförderländer. Die jährliche Produktion bewegt sich in einer Größenordnung von ca. 3.200 bis 3.400 Tonnen. Das entspricht ungefähr 13% der weltweiten Minenproduktion.

Anders ausgedrückt: Mehr als jede 8. neu geförderte Silberunze weltweit stammt aus China. Bereits auf der Ebene des Rohmaterials ist damit ein erheblicher Teil des globalen Angebots staatlich reguliert und politisch beeinflussbar. Wenn ein Land mit einem solchen Förderanteil gleichzeitig Exportbeschränkungen erlässt, hat das zwangsläufig Auswirkungen auf den Weltmarkt.

Mining ist nicht gleich Metall: Warum Erz noch kein Silber ist

Ein weiterer zentraler Punkt, der häufig unterschätzt wird, betrifft den Weg vom Erz zum fertigen Silber. Wer an Silber denkt, stellt sich oft sofort Barren oder Münzen vor. In der Realität ist der Weg dorthin jedoch lang und technisch anspruchsvoll.

Nach der Förderung muss das Silber zunächst vom Erz getrennt werden. Anschließend folgt eine chemische Aufbereitung, bei der Verunreinigungen entfernt werden. Danach wird das Material in mehreren Schritten hochrein raffiniert, bis die erforderliche Feinheit erreicht ist. Erst dann kann das Silber zu Barren oder industriellen Formen gegossen und schließlich zertifiziert werden. Erst am Ende dieses Prozesses entsteht tatsächlich lieferfähiges Silber, das industriell nutzbar oder international handelbar ist.

Der entscheidende Merksatz lautet daher: Mining ist nicht gleich Metall. Raffination ist Liefermacht. Wer die Raffination kontrolliert, entscheidet letztlich darüber, ob Silber verfügbar ist, in welcher Qualität es vorliegt und ob es tatsächlich geliefert werden kann.

Chinas eigentliche Macht: Raffination und Weiterverarbeitung

Genau an dieser Stelle kommt Chinas wahre Stärke ins Spiel. China kontrolliert, je nach Segment, einen erheblichen Teil der globalen Silberraffination und Weiterverarbeitung. Das betrifft insbesondere hochreines Silber mit Feinheiten von 99,99% und mehr, Silberpulver und -pasten für die Photovoltaik- und Elektronikindustrie sowie das Recycling von Elektronik- und Industrieschrott.

Schätzungen gehen davon aus, dass China etwa 35-45% der formalen weltweiten Silberraffination abdeckt. Bei industriell besonders kritischen Weiterverarbeitungsstufen liegt der Anteil sogar bei 50-70%. Das bedeutet in der Praxis: Selbst Silber, das außerhalb Chinas gefördert wird, muss häufig durch chinesische Raffinerien, bevor es industriell nutzbar ist.

Exportbeschränkungen ab dem 1. Januar 2026

Die seit Anfang 2026 geltenden Exportbeschränkungen setzen genau an diesen sensiblen Stellen an. Sie betreffen vor allem hochreine Raffinate, veredelte Silberformen und industrielle Vorprodukte. China kann dadurch Silber im eigenen Land priorisieren, globale Lieferketten verknappen und internationale Industrieunternehmen unter Druck setzen – und das ganz ohne eine einzige Mine zu schließen. Allein durch administrative Maßnahmen entsteht ein spürbarer Effekt auf den Weltmarkt.

Papiermärkte und physische Realität

In geopolitisch angespannten Zeiten zeigt sich immer wieder ein typisches Muster. Auf den Papiermärkten, also bei Zertifikaten und Derivaten, scheint ausreichend Liquidität vorhanden zu sein. Gleichzeitig wird physisches Silber immer schwerer verfügbar. Die Folge können steigende Aufgelder, Lieferverzögerungen oder eingeschränkte Auslieferungsmöglichkeiten sein. Industrieabnehmer werden bevorzugt beliefert, während andere Marktteilnehmer warten müssen.

Ein Zertifikat stellt in diesem Zusammenhang lediglich einen Anspruch dar. Ein physischer Silberbarren hingegen ist reale Substanz.

LBMA-Good-Delivery-Silber: Der höchste Standard am Silbermarkt

Die London Bullion Market Association (LBMA) definiert weltweit verbindliche Standards für Edelmetallbarren. Ein Silberbarren, der diesen sogenannten Good-Delivery-Standard erfüllt, besitzt eine garantierte Mindestfeinheit von 999,0 und stammt aus einer von der LBMA zugelassenen Raffinerie. Solche Barren werden international von Banken, Börsen und institutionellen Marktteilnehmern akzeptiert. LBMA-Good-Delivery-Silber gilt damit als die liquideste, vertrauenswürdigste und weltweit anerkannteste Form von physischem Silber.

Der strukturelle Vorteil für Elementum-Kunden

Elementum lagert für seine Kunden ausschließlich physisches Silber in dieser LBMA-Good-Delivery-Qualität. In der aktuellen geopolitischen Lage ist das ein entscheidender Unterschied. Dieses Silber ist bereits vollständig raffiniert, zertifiziert und physisch vorhanden. Es liegt außerhalb Chinas, ist unabhängig von zukünftigen Exportgenehmigungen und sofort handel- und lieferfähig.

Während andere Marktteilnehmer noch auf Raffination, Umwandlung oder politische Freigaben angewiesen sind, existiert dieses Silber bereits als fertige, anerkannte Substanz.

Fazit: Silber ist wieder ein geopolitisches Metall

Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich, dass Silber heute weit mehr ist als nur ein Edelmetall für Anleger. Die Kombination aus einem chinesischen Förderanteil von rund 13%, Chinas dominierender Stellung in der Raffination und den seit 2026 geltenden Exportbeschränkungen hat dazu geführt, dass Silber wieder zu dem geworden ist, was es historisch immer war: Ein politisches und strategisches Metall, dessen Verfügbarkeit zunehmend von geopolitischen Entscheidungen und funktionierenden Lieferketten abhängt.

Gleichzeitig zeigt sich immer klarer, dass Silber nicht gleich Silber ist. Unterschiede bei Reinheit, Verarbeitungsgrad, Zertifizierung und Lagerort entscheiden darüber, ob Silber im Ernstfall tatsächlich verfügbar, international handelbar und eindeutig dem Eigentümer zugeordnet ist. Eine Unze auf dem Papier ist etwas anderes als physisches Silber, ein beliebiger Barren etwas anderes als ein international anerkannter Standardbarren, und eine theoretische Lagerlösung etwas anderes als echte Eigentums- und Zugriffssicherheit.

Die Entwicklungen seit 2026 führen deshalb zu einer klaren Erkenntnis: Die Kontrolle der Lieferkette ist wichtiger als bloße Fördermengen, tatsächliche physische Verfügbarkeit ist wichtiger als ein Spotpreis auf dem Bildschirm, und Qualität ist langfristig wichtiger als reine Quantität. Substanz schlägt Versprechen.

Für Kunden von Elementum bedeutet diese Situation einen strukturellen Vorteil. Da Elementum ausschließlich bereits raffiniertes, zertifiziertes physisches Silber in hoher Qualität lagert, befinden sich die Bestände unserer Kunden nicht mehr in einer unsicheren Lieferkette, sondern sind bereits physisch vorhanden, klar zugeordnet und unabhängig von zukünftigen Exportgenehmigungen oder Raffinationsengpässen. Das schafft Ruhe und Handlungsspielraum, auch in einem Umfeld zunehmender Verknappung.

Gleichzeitig wäre es unseriös zu behaupten, dass globale Engpässe spurlos an allen Marktteilnehmern vorbeigehen. Sollte Silber in den kommenden Jahren weiter knapper werden, können auch Lieferzeiten länger oder Neuverfügbarkeiten eingeschränkt sein. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch darin, dass Elementum-Kunden ihr Silber bereits besitzen, während andere erst noch kaufen, liefern oder raffinieren lassen müssen.

LBMA-Good-Delivery-Silber, sicher gelagert außerhalb kritischer Lieferketten, ist in diesem Umfeld kein Luxus, sondern strategische Vermögenssubstanz. Genau dafür steht Elementum: Für physisches Silber höchster Qualität, klare und rechtssichere Eigentumsverhältnisse und eine Lagerstrategie, die auch dann funktioniert, wenn globale Lieferketten unter Druck geraten.

Wenn Sie sich näher damit befassen möchten, physisches Silber sinnvoll zu lagern und strategisch in Ihr Vermögen einzubinden, sprechen Sie am besten direkt mit Ihrem persönlichen Ansprechpartner. Er zeigt Ihnen die Möglichkeiten für Ihre individuelle Situation auf und berücksichtigt dabei Ihre persönlichen Ziele. Bei Bedarf unterstützt das Elementum-Team ergänzend, um Details zu vertiefen und offene Fragen transparent zu klären.

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