Im Gespräch mit Senator h.c. Holger Köppl: Wachstum, Verantwortung und neue Wege bei Elementum
Vom Bankwesen in den Edelmetallhandel: Im Interview spricht Herr Köppl über seinen Wechsel zu Elementum, die Herausforderungen eines stark wachsenden Familienunternehmens und warum physische Edelmetalle heute wichtiger sind denn je.
1. Herr Köppl, Sie kommen aus der klassischen Bankenwelt und waren viele Jahre in leitenden Positionen tätig. Was hat Sie dazu bewegt, diesen Weg zu verlassen und zu Elementum zu wechseln?
Tatsächlich hatte ich meine gesamte Lebensplanung auf die Bankenwelt ausgerichtet. Leider hat sich durch die ständig steigende Anforderung an die Regulatorik auch die Größe der Institute in den einzelnen Bankengruppen immer weiter verändert. Mit zunehmender Größe hat man sich immer weiter vom eigentlichen Kunden entfernt und die gesamten Entscheidungs-Prozesse sind immer bürokratischer geworden.
Für einen Vollblut-Vertriebler eine ganz falsche Entwicklung. Herrn Pravica kannte ich bereits lange Jahre aus meiner Zeit in Sindelfingen. Als dann eines Tages der Anruf kam, dass bei Elementum ein neuer GF gesucht wird, hatte ich mir mit der Entscheidung noch relativ lange Zeit gelassen. Aus der Bankenwelt hin zu einem Familienunternehmen im Bereich Edelmetallhandel?
Nachdem Herr Pravica mir in einigen Terminen die Vision und Strategie der Unternehmensgruppe erklärt hatte, stand dann der Entschluss aber relativ schnell fest.
2. Was war Ihr erster Eindruck von Elementum nach Ihrem Einstieg vor rund 1,5 Jahren? Was hat Sie vielleicht überrascht?
Ich kannte Edelmetalle bisher ausschließlich als Einmalgeschäfte am Service-Schalter bzw. als Beimischung für das Schließfach. Dass man mit Edelmetallen auch strategisch arbeiten kann war für mich neu und spannend. Anfangs gab es von Seiten unserer langjährigen Vermittler natürlich auch kritische Stimmen, da ich aus einem ganz anderen Marktumfeld zu Elementum kam, aber zwischenzeitlich passt das m.E. ganz gut. Klar musste ich mir erstmal einen internen und externen Überblick über die Firmengruppe Elementum verschaffen und dann entsprechende Aufgaben priorisieren.
Nachdem die Elementum-Stratgie zukunftsfähig ist und war, konnte ich mich auf prozessuale Themen und auf die Zahlenebenen fokussieren. Themen, die in der Vergangenheit nicht komplett umgesetzt waren bzw. bei welchen es noch Potential gab.
Überrascht hat mich die Tatsache, dass man mit einem überschaubaren aber motivierten Personalstamm - hier am Hauptsitz - so ein «großes Rad drehen» kann und die vergangenen Jahre ein Unternehmen aufgebaut hat, welches strukturell sehr gut aufgestellt und vor allem nicht! bankfinanziert ist. Chapeau!
3. Sie führen heute die Elementum Deutschland GmbH und die Elementum Gold GmbH. Was bedeutet Führung für Sie persönlich in einem wachstumsstarken Unternehmen?
Das Schöne an einem Familienunternehmen sind die flachen Hierarchien. Wir können uns hier für das daily buisness noch auf «Zuruf» abstimmen. Der Gründer und auch die zweite Generation arbeitet federführend im Unternehmen mit und hinter den Kulissen, habe ich die letzten Monate etwas die Strukturen an die neue Größe des Unternehmens angepasst. Für unser weiteres Wachstum und die Umsetzung der Vision 2030 waren diese Anpassungen auch notwendig. Ohne ein passendes Fundament kann ein dynamisch wachsendes Unternehmen auch leicht wackelig bzw. instabil werden.
Wir legen viel Wert auf Mitarbeiter die die Elementum-DNA mitbringen oder sich aneignen wollen. Menschen, die verstehen, dass ein Familienunternehmen keine starren Hierarchien wie ein Konzern haben kann und dass Bereiche vernetzt miteinander arbeiten können und müssen. Dafür bieten wir viele Benefits und Annehmlichkeiten, die ein Großunternehmen so nicht mehr darstellen kann.
4. Elementum wächst stark, sowohl bei Kunden als auch bei Mitarbeitern. Wie hat sich das Unternehmen seit Ihrem Einstieg konkret verändert?
Wie bereits ausgeführt, mussten und müssen wir noch an den Strukturen arbeiten. Das dynamische Wachstum der letzten Jahre ist nur zu stemmen, wenn auch die Prozesse entsprechend angepasst sind. Die internationale Ausrichtung mit den Handelsfirmen in Slowenien, Kroatien, Portugal und zukünftig der Schweiz steht aktuell stark im Fokus. Die Digitalisierung wird weiterhin forciert und alle Firmen sollen zukünftig über eine gemeinsame Plattform arbeiten. Des weiteren wird aktuell unsere Elementum International AG in der Schweiz zertifiziert und damit prozessual ebenfalls auf die nächste Stufe gehoben.
Die Elementum Akademie wurde in 2025 an den Start gebracht. Ab Mitte 2026 haben wir einen weiteren Mitarbeiter gewinnen können, der die Akademie nun weiter entwickelt und vorantreibt. Damit können unsere langjährigen aber insbesondere auch die neuen Vermittler auf eine sauber strukturierte Daten- und Wissensbasis zurückgreifen.
Des Weiteren gehen wir auch intern zwischenzeitlich mit unseren Zahlen transparenter um. Die Mitarbeiter müssen verstehen, was sich im Unternehmen tut und wie sich die entsprechenden Kennzahlen damit auch verändern. Die Umsetzung unserer Planungsvorgaben hat sicherlich die letzten Monate auch eine neue Priorisierung erfahren.
5. Elementum wurde zuletzt mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Top-Arbeitgeber und mit dem CrefoZert für Bonität. Wie wichtig sind solche Auszeichnungen für Sie als Geschäftsführer?
Das sind jetzt zum Beispiel Bereiche, um die man sich (auslastungsbedingt) in der Vergangenheit wenig gekümmert hatte. Wir haben ein kerngesundes Unternehmen, mit einem höchst attraktiven Geschäftsmodell. Wir haben moderne Räumlichkeiten, kurze Entscheidungswege und viele Benefits für unsere Mitarbeiter. Trotzdem haben wir (wie viele andere Unternehmen auch) Schwierigkeiten die für uns passenden Mitarbeiter am Markt zu finden. Die Auszeichnung Top-Arbeitgeber sollte uns hier in der Außenwirkung etwas helfen.
In einer Branche, in der die Geschäfte nur über Vertrauen und Sicherheit abgewickelt können, halte ich es für legitim, dass wir unsere sehr gute Bonität auch nach außen tragen. Für uns war es wichtig, dass dies nicht eine «gekaufte» Auszeichnung ist, sondern von der Creditreform ganz sauber nach Auswertung unserer Zahlen und nach einem geführten Interview zur Zukunfsfähigkeit des Unternehmens völlig neutral vergeben wurde. Darauf sind wir stolz und das zeigen wir auch gerne.
6. Wie schaffen Sie es, ein starkes Team aufzubauen und gleichzeitig die Unternehmenskultur in einer Wachstumsphase zu erhalten?
Wir versuchen bereits in den Stellenausschreibungen und den Erstgesprächen mit potenziellen Mitarbeitern die Besonderheit des Familienunternehmens und der Firmengruppe Elementum vorzustellen. Wir hatten bereits die Erfahrung gemacht, dass junge Menschen, die zuvor eine Ausbildung / Studium in den großen Firmen um Sindelfingen herum gemacht haben, sich eher schwer getan haben, unsere etwas flexiblere und flachere Struktur zu begreifen und zu akzeptieren.
Wir versuchen weiterhin unseren Mitarbeitern die benötigten Freiräume zu geben; legen viel Wert auf (freiwillige) gemeinsame Veranstaltungen und darauf, dass unsere Bodenständigkeit auch mit der rasant wachsenden Unternehmensgröße erhalten bleibt.
7. Was macht Elementum aus Ihrer Sicht zu einem attraktiven Arbeitgeber? Warum entscheiden sich Mitarbeiter bewusst für Ihr Unternehmen?
Ich hätte in den letzten Jahren nie gedacht, dass unsere großen internationale Player wie Porsche, Mercedes oder Bosch so schnell die veränderten Marktbedingungen zu spüren bekommen und zwischenzeitlich sehr viele Mitarbeiter abbauen. Für viele Arbeitnehmer waren dies in der Vergangenheit Vorzeigeunternehmen, in welchen man bis zur Rente bleiben konnte.
Der dynamische Wandel hat nun auch einige Vorteile für kleinere und anpassungsfähige Unternehmen gebracht. Nicht umsonst stellen wir unsere gute Bonität und unseren Wachstumskurs vorab. Wir haben am Markt noch keinen hohen Bekanntheitsgrad. Umso wichtiger ist es, potentielle Mitarbeiter von unserem Geschäftsmodell und vom Unternehmen selbst zu überzeugen und zu begeistern. Die Identifizierung mit der Firmengruppe Elementum ist für uns immanent.
8. Mit Wachstum kommt oft auch die Herausforderung, passende Mitarbeiter zu finden. Wie erleben Sie aktuell den Arbeitsmarkt und worauf achten Sie besonders bei neuen Teammitgliedern?
Dies ist eigentlich bereits beantwortet. Elementum kann man weder lernen noch studieren. Viele Tätigkeiten sind ähnlich wie bei klassischen Ausbildungen, aber eigentlich sind wir doch viel breiter aufgestellt. Starre Vorgaben und Arbeitsplatzbeschreibungen gibt es bei uns nicht. Noch sind wir flexibel und anpassungsfähig genug, um kurzfristig auf Marktschwankungen zu reagieren.
Diese Flexibilität, Motivation und auch Lust in einem bodenständigen, gesunden Familienunternehmen zu arbeiten, erwarten wir auch von den neuen Mitarbeitern. Hier ist sich auch die Führungsebene nicht zu schade, mal auf den Boden zu liegen und selbst einen PC anzuschließen bzw. einen Messestand aufzubauen. Und ich denke diese Botschaft kann transportiert werden. Wir sind kein anonymer Konzern, sondern bei uns stehen Menschen hinter den Erfolgen.
9. Spüren Sie eine steigende Nachfrage nach physischen Edelmetallen – und wenn ja, wodurch wird diese Entwicklung getrieben?
Natürlich waren die letzten Monate sehr spannend und auch für alle Seiten sehr herausfordernd. Wir hatten seit Jahren die These vertreten, dass Edelmetalle ein langfristiges Asset sind und wir haben nie! nur die Kursentwicklung isoliert angeschaut. Für uns und das Gros unserer Kunden war immer die langfristige Edelmetall-Stategie im Vordergrund gestanden. Durch den Silber-Hype, der auch durch die Presse entsprechend prominent ausgelöst wurde, hatten wir die letzten Monate auch neue bzw. andere Kunden bekommen, denen die Spekulation an erster Stelle stand.
Teilweise sind und waren Kursbewegungen für uns nicht nachvollziehbar bzw. empirisch zu begründen. Die Monate Januar und Februar waren in Summe die stärksten in der Unternehmensgeschichte. Zahlreichen Verkäufen standen ebensoviele Nachkäufe auf niedrigerem Niveau gegenüber und haben unser Team bis an die Belastungsgrenzen gebracht.
Alle längerfristigen Kurs-Prognosen wurden bis Jahresende 2025 schon torpediert. Aktuell belastet die kriegerische Auseinandersetzung und das Thema Ölpreis natürlich noch die Kurse.
Trotzdem oder gerade deswegen ist die Nachfrage nach physischen Edelmetallen weiterhin hoch. Die Kunden verstehen, dass wir nicht mit Papier-Zertifikaten handeln, sondern mit wahren Werten, die dann noch Mwst-frei und sicher in den Zollfreilagern in der Schweiz verwahrt werden. In Zeiten der Politikverdrossenheit in Deutschland, schwächelnder Industrie und geopolitischer Unsicherheiten gibt es sicherlich gute Gründe, sich für die klassischen und vor allem physischen Edelmetalle und unsere Edelmetall-Startegie zu entscheiden.
10. Wo sehen Sie Elementum in den nächsten 3-5 Jahren?
Wir haben eine Strategie 2030, mit einem – bis dorthin -sehr ambitionierten Umsatzziel.
Ich habe unser Umsatzwachstum nun nicht linearisiert, sondern an die entsprechende Marktgegebenheiten und die personellen Ressourcen - mit erreichbaren Zwischenzielen – angepasst
Über die Sonder-Faktoren im Januar und Februar 2026 hatte ich bereits berichtet. Diese Monate haben uns einen Jahresumsatz nahezu auf Vorjahresende gebracht. Mit dieser Erkenntnis durfte ich das Jahr 2026 nun deutlich nach oben anpassen.
Wir haben noch lange nicht alle Ressourcen am Markt ausgeschöpft; auch unsere externe Bekanntheit ist ausbaufähig und das Team kann im Bereich Vertrieb noch weitere Vertriebsprofis «vertragen».
Die 1 Mrd. € Umsatzvolumen bis 2030 steht für uns als Motivation über allem. Dennoch ist es für mich wichtig, dass unser Wachstum organisch machbar und vor allem gesund und nachhaltig umsetzbar ist. Das Thema Edelmetalle steckt m.E. noch weiterhin in den «Kinderschuhen» auch wenn über die Medien nun etwas mehr Aufmerksamkeit zugewiesen wurde.
Große Teile der nationalen und Internationalen Bevölkerung haben immer noch nicht erkannt, wie wichtig eine Verteilung der Vermögenswerte über das 3-Speichen-Modell (Geldanlagen, Immobilien und Edelmetalle) gerade heute ist. Wir sehen weiterhin hohe Potenziale für die nächsten Monate und Jahre.
11. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie aktuell mit Ihrem Team?
Die ersten Monate waren wir ehrlicherweise nur damit beschäftigt, die Kundenaufträge abzuarbeiten und die Märkte nahezu sekündlich zu beobachten. Zwischenzeitlich haben sich die Märkte etwas beruhigt und das Hauptaugenmerk liegt nun in der Optimierung unserer Prozesse; in der Vereinfachung und Digitalisierung der Vorgänge und der weiteren Ausweitung unserer Bekanntheit und der Marke.
Des Weiteren boomt aktuell der Ankauf der Edelmetalle von unseren Kunden, obwohl wir noch keine offizielle Werbung dafür gemacht hatten. Viele Kunden fühlen sich nicht mehr wohl damit, Edelmetalle zu Hause zu lagern und ggf. Ziel von Einbrechern / Räuberbanden zu werden. Hier bieten wir den professionellen Ankauf und Weiterleitung an die Scheideanstalt bzw. die Wandlung und den Transport in unsere Zollfreilager als sichere Alternative an. Wir gehen davon aus, dass dieses Geschäftsfeld in den nächsten Wochen und Monaten eine deutliche Dynamik erfährt und wir haben hierfür bereits personell «aufgerüstet».
12. Was motiviert Sie persönlich jeden Tag in Ihrer Rolle als Geschäftsführer?
Ich freue mich tatsächlich jeden Morgen (bzw. die meisten Tage) mit einem hochmotivierten Team und einem stimmigen und zukunftsfähigen Produkt unterwegs sein zu dürfen. Natürlich haben wir noch diverse «Baustellen» in unseren Unternehmen in Sindelfingen; aber natürlich auch in der Harmonisierung der Systeme unserer ausländischen Handelsgesellschaften.
Für mich persönlich wird es eine Herausforderung, die Marke Elementum in 2026 noch sichtbarer zu machen ohne alle Werbe-Budgets zu sprengen.
Da bereits jetzt absehbar ist, dass wir umsatzmäßig das nächste Rekordjahr erreichen werden, freue ich mich natürlich - trotz schwieriger geopolitischer Parameter - auf die nächsten herausfordernden Monate mit unseren Bestandskunden und mit Neukunden, die langfristig, im Bereich des physischen Edelmetalles, mit uns erfolgreich unterwegs sein wollen.