Mit Reto Spring im Gespräch: Finanzkompetenz statt Moneypulierung
Reto Spring, Verwaltungsrat der Elementum International AG und Präsident des FinanzPlaner Verbandes Schweiz, spricht über die Bedeutung von langfristiger Finanzplanung, kluger Vermögensdiversifikation und die Rolle von physischen Edelmetallen als Absicherung. Er teilt persönliche Einblicke aus seiner Karriere, betont die Parallelen zwischen Marathonlaufen und Vermögensaufbau und gibt praktische Tipps für finanzielle Stabilität.
1. Herr Spring, Sie sind seit Mitte 2025 Mitglied des Verwaltungsrates der Elementum International AG. Was hat Sie motiviert, diese Rolle zu übernehmen?
Meine Passion ist seit über 25 Jahren die Finanzplanung und meine Mission ist die „finanzielle Aufklärung“. Wie man sorglos vorsorgen kann, beschäftigt immer mehr Menschen. Im Bereich der Anlageberatung und Pensionsplanung ist es wenig zielführend, sich quasi «mit Blick in den Rückspiegel» nur an vergangenen Werten zu orientieren. Erwartungen bezüglich Rendite, Inflation und Lebenserwartung haben sich stark verändert – fehlerhafte Annahmen führen daher zu unzutreffenden Prognosen und zu Planungsfehlern.
Dazu kommt, dass die Finanzindustrie heute in vielen Fällen einfach unsere Wünsche und Träume befriedigt, statt dass sie Finanzkompetenz und wirklich passende Lösungen vermittelt. Ich fordere: Orientierung statt «Moneypulierung». Diese Erkenntnisse und Erfahrungen möchte ich gerne strategisch in die Elementum Gruppe einbringen.
2. Sie gelten als einer der bekanntesten unabhängigen Finanzplaner der Schweiz. Wie sind Sie ursprünglich zur Finanzplanung gekommen und was fasziniert Sie bis heute an diesem Beruf?
Nach Studienjahren in Japan und ersten Berufserfahrungen im Executive Search (Vermittlung von Kaderpositionen), bin ich nach der Jahrtausendwende quasi als Quereinsteiger in der Allfinanzbranche gelandet. Ich konnte wertvolle Erfahrungen sammeln im Bereich Verkauf, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.
Und habe mich stetig weitergebildet, bis ich selber Experte, Dozent und Buchautor wurde. Fasziniert und motiviert hat mich stets, den Menschen zu helfen, sinnvolle Finanzentscheidungen zu treffen, um ihre individuellen Wünsche und Ziele zu realisieren.
3. Sie beraten seit vielen Jahren Menschen bei Vermögens- und Vorsorgefragen. Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten finanziellen Fehler, die Privatpersonen langfristig machen?
Das grösste Risiko, ist kein Risiko einzugehen. Wie wir in Zukunft leben werden, hängt in hohem Masse von den Entscheidungen ab, die wir heute treffen - beim Konsum, beim Sparen und bei den Investitionen. Wir überschätzen das eigene Know-how beim Vermögensaufbau. Und wir unterschätzen unsere Lebenserwartung, unsere Lebenshaltungskosten und das Ausmaß der Rentenlücke.
Generell setzen sich die Menschen unnötigerweise Klumpenrisiken aus, indem sie zu viel auf Einzeltitel setzen, alles Geld in die eigene Firma oder ins Eigenheim stecken. Die Heirat ist einer der größten Meilensteine im Leben. Leider ist es für viele Paare auch die Scheidung. Unangenehme Dinge werden oft aufgeschoben und verdrängt.
4. Die Schweiz gilt international als besonders stabiler Finanzplatz. Was macht den Standort Schweiz aus Ihrer Sicht so besonders – gerade im Vergleich zur EU?
Die Staatsgläubigkeit ist in der Schweiz viel weniger ausgeprägt und die Prinzipien der Leistungsfähigkeit und Selbstverantwortung sind stärker erhalten geblieben als im EU-Raum. Zwar krankt auch der Schweizer Finanzmarkt an einer Überregulierung, welche viel Aufwand und hohe Kosten generiert, aber dem Endkunden wenig Nutzen stiftet.
Aber dank direkter Demokratie und bürgernaher Politik konnten bisher die schlimmsten Auswüchse verhindert werden. Die Schuldenbremse und eine eigenständige Geldpolitik sorgen für Stabilität, Planbarkeit und Sicherheit. Das sind schlagende Argumente für einen langfristigen Vermögenserhalt.
5. Viele Menschen beschäftigen sich wieder stärker mit Sachwerten. Beobachten Sie in Ihrer Praxis ein wachsendes Interesse an physischem Gold und Silber?
Beim Denken ans Vermögen leidet oft das Denkvermögen,» sagte einst Karl Farkas. Menschen, die «heissen Börsentipps» nachjagen und «eine Abkürzung zum raschen Reichtum» suchen, lernen das auf die harte Tour. Das Leben ist zu kurz und das Geld zu knapp, um alle Fehler selber zu machen.
Daher raten Experten, möglichst breit zu diversifizieren, also auch über verschiedene Anlagekategorien hinweg. Edelmetalle haben dabei durchaus ihre Berechtigung und dürfen in keinem Depot fehlen. Aufgrund der positiven Wertentwicklung hat das Interesse in den letzen Jahren spürbar zugenommen.
6. Edelmetalle gelten seit Jahrhunderten als Absicherung gegen Krisen, Inflation und Währungsrisiken. Welche Rolle sollten Gold und Silber aus Ihrer Sicht in einer langfristigen Vermögensstrategie spielen?
Generell sind Sachwerte zu bevorzugen, also Aktien, Immobilien, physische Edelmetalle. Sie schützen am besten gegen Inflation und Währungsrisiken. In unsicheren Zeiten wie diesen sind Sicherheitswährungen wie der Schweizer Franken und Edelmetalle besonders gefragt.
In der Finanzplanung werden sie aber nicht taktisch oder spekulativ eingesetzt, sondern als „Absicherungsinstrumente“ genutzt.
7. Wir erleben aktuell geopolitische Spannungen, hohe Staatsverschuldung und strukturelle Veränderungen im Finanzsystem. Wie beurteilen Sie die wichtigsten Trends für die kommenden Jahre?
Ich bin zwar von optimistischer Natur, aber sehe aktuell noch keine Silberstreifen am Horizont… Die disruptiven Bewegungen im Welthandel und der Geopolitik werden ihre Spuren hinterlassen.
Daher erachten wir es als wichtig, dass man sich weniger von Trends beeinflussen lässt, sondern ein ganzheitliches Chancen- und Risiko-Management betreibt und mit genügend Liquidität auch für Unvorhergesehenes gewappnet bleibt.
8. Sie sind Präsident des FinanzPlaner Verbandes Schweiz. Wie hat sich die Finanzberatung in den letzten Jahren verändert und wohin entwickelt sich die Branche?
Im Jahr 2000 wollten alle Berater „unabhängig“ sein, 2010 hiess das neue Schlagwort „ganzheitlich“ und seit einigen Jahren setzen alle auf „Honorarberatung“. Faktisch sind die Geschäftsmodelle von Banken und Versicherungen jedoch identisch geblieben, auch wenn sich das Marketing für die Vermittlung von Finanzprodukten redlich Mühe gab.
Die Erkenntnis, dass Finanz- und Pensionsplanung wichtig und zielführend ist, hat aber stetig zugekommen. Ob KI hilft, dass künftig breitere Bevölkerungskreise von finanzieller Aufklärung profitieren können, muss sich erst noch zeigen.
9. Neben Ihrer Tätigkeit im Finanzbereich sind Sie auch ein leidenschaftlicher Marathonläufer und zählen zu den besten Amateurläufern der Schweiz. Was bedeutet Ihnen der Laufsport?
Das Leben ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ausreichend Bewegung ist die einfachste, effizienteste und günstigste Lösung für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Ganz nach dem Motto: „Nicht dem Leben mehr Tage hinzufügen, sondern den Tagen mehr Leben geben“.
Mein tägliches Training ist aktive Erholung, Reflexion und Ausgleich in einem. „Laufen ist die beste Metapher für das Leben, denn man bekommt das zurück, was man hineinsteckt“, so das berühmte Zitat von Oprah Winfrey.
10. Sie laufen praktisch jeden Tag. Gibt es Parallelen zwischen Ausdauersport und langfristigem Vermögensaufbau?
Marathonlaufen ist auch eine Persönlichkeitsschulung bezüglich Disziplin, Hartnäckigkeit, Ausdauer und mentaler Stärke. Da sehe ich durchaus Parallelen zum langfristigen Vermögensaufbau!
11. Sie leben nur etwa 30 Minuten von Altdorf entfernt – also ganz in der Nähe des Elementum-Standortes am Gotthard-Massiv. Wie sehen Sie die Bedeutung der Zentralschweiz als sicheren Ort für Vermögenswerte?
In einem Satz: Es gibt keinen sichereren Ort auf der Welt.
12. Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wenn Sie Anlegern einen einzigen Rat für langfristige finanzielle Stabilität geben könnten – welcher wäre das?
Starten Sie möglichst frühzeitig, den eigenen Sparbetrag diversifiziert, kostengünstig und automatisiert zu investieren, und eine professionelle Finanzberatung in Anspruch zu nehmen. Geld ist nicht alles - aber ohne Geld ist alles nichts.
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