Mit Philipp Bagus im Gespräch: Warum unser Geldsystem an seine Grenzen kommt
Prof. Dr. Philipp Bagus ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid und Verwaltungsratspräsident der Elementum International AG. Als einer der bekanntesten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit Geldtheorie, Inflation und den Ursachen wirtschaftlicher Krisen. Im Gespräch erläutert er, warum solides Geld eine zentrale Rolle für wirtschaftliche Stabilität spielt, welche Lehren sich aus aktuellen Entwicklungen wie in Argentinien ziehen lassen und weshalb Gold und Silber seit Jahrhunderten als verlässliche Form von Geld gelten.
1. Ihr Lebensweg: Wie wird man Professor für Geldtheorie in Spanien und bringt gleichzeitig seine Expertise in die Praxis eines Schweizer Edelmetall-Lagerunternehmens wie der Elementum International AG ein?
Ich habe mich früh dafür interessiert, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Woher kommt Arbeitslosigkeit? Was ist Inflation? Warum sind einige Länder reich und andere arm? Bei der Suche nach Antworten bin ich dann auf die Österreichische Schule gestoßen, auf Hayek, Mises und Rothbard. Beim Mises Institut in Auburn, Alabama, wurde mir dann empfohlen, bei Jesús Huerta de Soto in Madrid zu studieren. Zu ihm bin ich dann auch gegangen. Mich hat immer am meisten die Geldtheorie interessiert.
Woher kommt die Inflation, was sind ihre Folgen, warum gibt es Konjunkturzyklen und Bankenkrisen? Da traf es sich gut, dass Huerta de Soto in dem Gebiet ein Standardwerk „Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen“ verfasst hat, welches ich ins Deutsche übertragen habe. Meine Doktorarbeit habe ich über Deflation geschrieben. Dann kam „Die Tragödie des Euro“. Vor dem Hintergrund meiner langjährigen Beschäftigung mit soliden Geldsystemen und dem Werterhalt durch reale Vermögenswerte war es für mich nur folgerichtig, mich auch bei Elementum International einzubringen.
2. Was war Ihr persönlicher „Aha-Moment“, der Sie zur Österreichischen Schule gebracht hat?
Ich erinnere mich noch an die Lektüre „Die Ethik der Freiheit“ von Murray Rothbard. Er schreibt, dass der Staat letztlich eine kriminelle Organisation ist, die auf Gewalt aufbaut.
3. Welche Fehlannahme über Geld begegnet Ihnen am häufigsten – und nervt Sie am meisten?
Der Mythos, man müsse die Geldmenge erhöhen, sonst könnte es kein Wirtschaftswachstum geben. Dabei ist es kein Problem. Wächst die Wirtschaft, dann fallen die Preise.
4. Wenn Sie einem intelligenten Laien die Österreichische Schule erklären: Worin unterscheidet sie sich von der Mainstream-Ökonomik?
Die Österreichische Schule setzt bei den individuellen menschlichen Handlungen an und sieht den Markt als einen Prozess an, in dem Unternehmer aus Fleisch und Blut darum konkurrieren, die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen zu befriedigen.
Die Mainstream-Ökonomik schaut auf Aggregate und mathematische Gleichgewichtsmodelle. Die Österreichische Schule kommt zu dem Schluss, dass alle Güter und Dienstleistungen im Miteinander des Marktes bereitgestellt werden können, besser, effizienter und günstiger als der Staat es könnte.
5. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Missverständnisse über „Kapitalismus“ in der öffentlichen Debatte?
Dass der Kapitalismus ungerecht sei, weil die Arbeiter ausgebeutet werden. Dabei ist der Kapitalismus das einzig gerechte Gesellschaftssystem. Denn in ihm werden die Eigentumsrechte geschützt. Es ist der Sozialismus, der ungerecht ist, weil er systematisch Eigentumsrechte verletzt.
6. Ihr Buch „Die Tragödie des Euro“ gilt weiterhin als Standardwerk der Euro-Kritik: Was ist die Kernthese, wo stehen wir heute 16 Jahre nach der Veröffentlichung, und halten Sie ein Ende des Euro nach wie vor für wahrscheinlich?
Die Tragödie des Euro besteht darin, dass eine Währung von mehreren unabhängigen Staaten benutzt werden kann, um ihre Ausgaben zu finanzieren. Es ist eine Tragödie der Allmende, wie Fischschwärme im Ozean. Niemandem gehören die Fische, daher ist der Anreiz, so schnell und so viel wie möglich zu fischen. Es kommt zur Überfischung. Beim Euro ist es ähnlich. Jeder Mitgliedsstaat kann Staatsanleihen drucken, die dann von den Banken gekauft werden, und dann an die EZB als Sicherheit für neue Kredite weitergereicht werden. Diese neuen Zentralbankkredite bedeuten eine Erhöhung der Geldmenge und letztlich eine Tendenz dahingehend, dass die Kaufkraft des Euro fällt. Die ausgebeutete Ressource ist die Kaufkraft des Euro. Auf diese Weise können Staaten die Kosten für ihre Staatsdefizite auf andere Euronutzer im Euro-Ausland abwälzen.
Dieser Konstruktionsfehler des Euro besteht bis heute. Man hat versucht, die Defizite zu begrenzen, ähnlich wie bei Fischern Fangquoten festgesetzt werden. Jedoch werden diese Begrenzungen nicht hart durchgesetzt. Dadurch ist die Tragödie des Euro noch intakt. Es gibt drei Möglichkeiten. Erstens, die Staatsdefizite werden scharf begrenzt. Dazu braucht es aber politischen Willen und Austerität. Dazu ist es bis jetzt nicht gekommen. Zweitens, der Euro bricht auseinander, weil die Umverteilungsverlierer nicht mehr bereit sind, beim Inflationsspiel zu verlieren. Dazu ist es auch noch nicht gekommen. Es gibt aber noch eine dritte Möglichkeit. Die Tragödie löst sich auf, wenn die fiskalische Unabhängigkeit der Eurostaaten endet. Ein europäischer Zentralstaat könnte die Fiskalpolitik kontrollieren und zwischen den Mitgliedsstaaten umverteilen. Auch dazu ist es noch nicht gekommen, auch wenn es Schritte in diese Richtung gegeben hat. Es bleibt spannend.
7. Sollte jeder Mensch einen Teil seiner Ersparnisse in Gold und Silber halten, und wenn ja: Warum?
Gold und Silber sind eine Versicherung. Sie sind Versicherung gegen Inflation und Finanzkrisen.
8. In Ihrem neuesten Buch „Die Ära Milei“ schreiben Sie über Argentiniens neuen Weg: Was ist das Entscheidende an Mileis Ansatz?
Milei zeigt, der wahre Konflikt in unserer Gesellschaft ist zwischen der Politklasse und den hart arbeitenden Bürgern, auf deren Kosten die Politklasse lebt. Er zeigt, der Staat ist nicht die Lösung, sondern das Problem. Er hat mit diesen Narrativen einen Mentalitätswandel in Argentinien bewirkt. Dieser hat ihn in das Präsidentenamt gespült und erlaubt es ihm jetzt, seine marktwirtschaftlichen Reformen durchzuführen.
9. Das Buch hat ein Vorwort von Javier Milei: Wie kam es dazu, und was sagt das über Ihre Verbindung zu ihm aus, zumal Cicero Sie als „engen Vertrauten“ bezeichnet?
Milei ist wie ich ein Ökonom der Österreichischen Schule. Ich kannte ihn schon, bevor er Präsident war. Seitdem sind wir befreundet. Und da habe ich ihn gefragt, ob er nicht ein Vorwort beisteuern könne.
10. Welches Buch sollte aus Ihrer Sicht wirklich jeder gelesen haben?
„Economics in one Lesson“ von Henry Hazlitt.
11. Welche Kennzahl oder Zahl verfolgen Sie aktuell besonders aufmerksam, und warum?
Ich verfolge die Inflationszahlen in Argentinien sehr aufmerksam. Ein weiteres Abfallen der Inflationsrate wäre ein großer Erfolg.
12. Was macht Elementum aus Ihrer Sicht besonders, und wodurch unterscheidet sich das Unternehmen am deutlichsten von anderen Anbietern im Markt?
Elementum zeichnet sich durch sein strategisches Know-how und Expertise im Edelmetallmarkt aus. Da kommt keiner ran.
Dieser Beitrag kann Links zu externen Websites Dritter enthalten. Für die Inhalte dieser externen Seiten übernimmt die Elementum Deutschland GmbH keine Verantwortung und distanziert sich ausdrücklich von allen dort bereitgestellten Inhalten. Zum Zeitpunkt der Verlinkung waren keine rechtswidrigen Inhalte erkennbar.